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Dienstvertrag und Werkvertrag

Dienstvertrag oder Werkvertrag? Alles eine Frage des Verständnisses.

Verträge und Vertragsformen gibt es wie Sand am Meer, doch die wenigsten, die kein Jura studiert haben, wissen, wofür sich welcher Vertrag eignet. Auch bei Unternehmen werden Abmachungen in aller Regel immer noch vertraglich festgesetzt, vor allem, damit es hinterher keinen Ärger mit den jeweiligen Partnern gibt. Dafür kann ein vollkommen freier und selbst aufgesetzter Vertrag Verwendung finden, es können aber auch typische Standardverträge zum Einsatz kommen.

Solche Standardverträge sind zum Beispiel ein Dienstvertrag oder der sogenannte Werkvertrag.

Was genau ist eigentlich ein Dienstvertrag?

Der Dienstvertrag ist der eher klassische Vertrag zwischen zwei Unternehmen bzw. Selbstständigen oder Freiberuflern. Charakteristisch ist, dass der Dienstvertrag keine Garantien gibt. Auch der normale Arbeitsvertrag oder der Vertrag zwischen einem Anwalt und seinem Mandanten sind Dienstverträge.

Als Beispiel: Der Anwalt verpflichtet sich zwar zur Verteidigung, gibt aber eben keine Garantie dafür, dass er den Fall am Ende auch wirklich gewinnt. Er bietet also seine Dienstleistung an, gibt dabei natürlich sein Bestes, doch das Ergebnis bleibt dennoch vollkommen offen. Auch der reguläre Arbeitsvertrag ist demnach ein Dienstvertrag. Der Arbeitnehmer arbeitet, also leistet etwas, um dafür dann den vorher vertraglich vereinbarten Lohn zu erhalten. Eigentlich ist das ganz einfach.

Wenn ein Freiberufler einen Vertrag mit einem Geschäftspartner abschließt, handelt es sich hier in aller Regel ebenfalls um einen Dienstvertrag. Das ist nicht unwichtig, da sich der (gleich noch genauer erklärte) Werkvertrag wesentlich von dem Dienstvertrag unterscheidet und gerade für Selbstständige viele Nachteile mit sich bringt, die nicht zu unterschätzen sind.

Was genau ist eigentlich ein Werkvertrag?

Der Werkvertrag beschreibt keine Dienstleistung, sondern entsprechend seinem Namen ein Werk. Demnach ist ein Werkvertrag nicht für die Dienstleistung selbst gedacht, sondern für das daraus entstandene fertige Werk.

Als Beispiel: Schließt ein Grafiker einen Dienstvertrag ab, arbeitet er an einem Auftrag und liefert dann, nach einiger Zeit, das entsprechende Ergebnis ab. Schließt er aber einen Werkvertrag mit seinem Geschäftspartner ab, geht es um das Ergebnis selbst, nicht um die erbrachte Leistung oder seine Arbeit, die das Ergebnis überhaupt erst ermöglicht.

Dies wiederum bedeutet, dass ein Werkvertrag eher nachteilig ist, zumindest auf den ersten Blick, da es hier gewisse Garantien für das finale Ergebnis gibt, die Arbeit selbst aber nur indirekt berücksichtigt wird.

Bei einem Werkvertrag wird also für einen bestimmten Preis oder eine Gebühr immer das Werk übergeben, während der dafür erforderliche Arbeitsaufwand keine gesonderte Vergütung oder vertragliche Beachtung erhält. Das ist der wohl wichtigste Punkt bei einem Werkvertrag.

Dienstvertrag vs. Werkvertrag

Fassen wir das alles noch einmal klar und verständlich zusammen. Der Dienstvertrag beinhaltet, wie der Name vermuten lässt, eine Dienstleistung bzw. einen Dienst. Hier wird der Vertragspartner für seine Arbeit als solches bezahlt. Der Werkvertrag hingegen bezieht sich nur auf das finale Werk. Hier geht es nicht um den Weg oder die Dienstleistung, die überhaupt erst zu dem fertigen Werk geführt hat, sondern nur das Werk selbst ist von Bedeutung.

Auf den Punkt gebracht: Beim Dienstvertrag geht es um die Arbeit, beim Werkvertrag hingegen um das Ergebnis dieser Arbeit.

Probleme mit Scheinwerkverträgen

Der ein oder andere dürfte nun schon daran gedacht haben, dass Werkverträge per se um einiges einfacher und günstiger für eine der Parteien sein dürften. Warum jemanden für seine Arbeit bezahlen, wenn auch das fertige Ergebnis per Vertrag vereinbart werden kann? Die Antwort ist relativ klar, denn natürlich schaut der Staat entsprechend genau hin, wenn es sich um Werkverträge handelt. Scheinwerkverträge sind durchaus geläufig und auch an der Tagesordnung. Aber in Deutschland gibt es klare Regeln und Gesetze und eine missbräuchliche Gestaltung von Verträgen wird hart geahndet.

Ganz wichtig bei Werkverträgen ist, dass der Vertragspartner in keinem Abhängigkeitsverhältnis steht. Es kann auch nicht einfach frei gewählt werden, ob ein Dienstvertrag oder ein Werkvertrag abgeschlossen wird. Auch ist kein Werkvertrag mehr möglich, wenn der Vertragspartner dadurch die gleichen Tätigkeiten wie die normalen Angestellten ausführt, ohne für diese Arbeit entsprechend entlohnt zu werden. Dies wäre ein Scheinwerkvertrag. Letzterer liegt auch dann vor, wenn das Werk im Vertrag nicht genau beschrieben und festgelegt wurde, also nur schwammig formuliert oder unklar definiert wurde.

Auch ein fremdbestimmtes Arbeiten spricht gegen Werkverträge.

Als Beispiel: Eine Firma (Firma 1) beschäftigt eine weitere Firma (Firma 2) mittels Werkvertrag auf einer Baustelle. Firma 2 schuldet der Firma 1 ein fertiges Werk – zum Beispiel die Erstellung einer Elektroinstallation. Firma 1 darf den Fertigstellungstermin vorgeben und Material zur Verfügung stellen. Firma 1 darf aber zum Beispiel nicht die Pausenzeiten, Arbeitszeiten und Anzahl der eingesetzten Mitarbeiter der Firma 2 bestimmen. Auch dürfen die Mitarbeiter der Firma 1 den Mitarbeitern der Firma 2 keine direkten Arbeitsanweisungen geben.

Schnell rutscht man in die Scheinselbstständigkeit ab. Eine Scheinselbstständigkeit ist immer dann gegeben, wenn eine Abhängigkeit besteht. Und wenn ein Werkvertrag nur dazu genutzt wird, um dauerhafte Leistungen nicht nach der tatsächlichen Arbeit zu vergüten, liegt eine Täuschung vor, die heftige Konsequenzen beim Finanzamt und beim Sozialversicherungsträger nach sich ziehen kann. Schon alleine deshalb sollte immer genau darauf geachtet werden, welche Vertragsform für eine Zusammenarbeit infrage kommt und genutzt wird bzw. ob diese auch tatsächlich stimmig ist und der gegebenen Realität entspricht.

Freiberufler sollten zum Dienstvertrag greifen

Es kommt natürlich immer auf den Einzelfall an, aber der Dienstvertrag bringt einige Vorteile mit sich. Zum einen ist dieser Vertragstyp mit deutlich weniger Risiken verbunden, zum anderen ist er im Normalfall die deutlich angenehmere Wahl.

Als Beispiel: Ein selbstständiger Web-Entwickler soll für ein Unternehmen eine große Internetpräsenz aufbauen. Kein Problem, doch so ein großes Projekt wird relativ lange dauern und es wird währenddessen garantiert zu Problemen kommen. Kurz gesagt: So ein Projekt wird viel Zeit beanspruchen, da sich auch Strategien oder Logos während der Entwicklung ändern könnten. Mit einem Dienstvertrag wird man für die geleistete Arbeitszeit bezahlt, mit einem Werkvertrag hingegen nur für das fertige und abgelieferte Ergebnis. Das kann bei kleinen Projekten schnell und einfach sein, wird bei großen Jobs aber sehr schnell zur Herausforderung, weil bei Vertragsschluss oft die tatsächlich aufgewendete Zeit und die sich ergebenden Schwierigkeiten noch gar nicht klar abzusehen sind. Der Dienstvertrag ist daher in den meisten Fällen deutlich fairer, während der Werkvertrag vor allem für eine Seite von Vorteil ist. Nämlich für diejenige, die in der Regel erst dann bezahlen muss, wenn sie das fertige Ergebnis in den Händen hält.

Wer selbstständig oder freiberuflich unterwegs ist, sollte daher immer zum Dienstvertrag greifen. Das führt am Ende zum selben Ziel, birgt aber weniger Risiken (auch gesetzlich). Denn auch wenn das lang erarbeitete Ergebnis am Ende nicht zu gefallen weiß, wird man beim Dienstvertrag bezahlt. Gibt es bei einem Werkvertrag am Ende dagegen Ärger, wird die Zahlung häufig als Druckmittel zurückgehalten, was den ein oder anderen Freiberufler schnell mal in die Insolvenz treiben kann.

Mit dem Dienstvertrag seid ihr also auf der sicheren Seite.

Verträge sind immer ein schwieriges Thema

Dienstvertrag, Werkvertrag, so richtig verstehen derartige Themen meist nur Juristen. Kein Wunder, denn vieles ist häufig sehr umständlich formuliert, so dass ein Laie schnell überfordert ist. Dieser kleine Guide zu dem Thema hat hoffentlich für etwas mehr Klarheit in der Sache gesorgt. Ganz so schwer ist es in diesem Fall aber auch nicht, weil sich beide Vertragsarten im Grunde recht stark voneinander unterscheiden.