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Vertragsarten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Eine feste Arbeit haben, das wünscht sich im Grunde doch nahezu jeder. Arbeitsstellen sind allerdings nur begrenzt verfügbar, und um wenigstens irgendetwas zu haben, werden häufig sehr umstrittene Arbeitsverträge unterzeichnet, sei es nun aus Unwissenheit oder Unsicherheit heraus.

Warum dies ein Fehler ist und auf welche Klauseln man im Arbeitsvertrag unbedingt genauer achten sollte, dies soll der folgende Artikel ein wenig näherbringen. Es gibt unterschiedliche Arbeitsverträge, die zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschlossen werden können. Alle diese Vertragsarten haben Vorteile, aber auch Nachteile.

Welche Arten von Arbeitsvertrag gibt es?

Zunächst einmal gilt es die unterschiedlichen Arten von Arbeitsverträgen zu unterscheiden. Da wäre zum Beispiel der unbefristete und der befristete Arbeitsvertrag. Außerdem gibt es noch Projektverträge, Teilzeitverträge und selbstverständlich auch Praktikantenverträge.

Teilzeitvertrag: Der Teilzeitarbeitsvertrag regelt eine verkürzte Arbeitszeit. Statt die ganze Woche voll zu arbeiten, sind es hier oft nur zwanzig Stunden, mal mehr und mal weniger. Im Gegensatz zu dem relativ freien und limitierten 400-Euro-Job ist eine Teilzeitstelle aber durchaus als langfristige Beschäftigung gedacht und dementsprechend auch anspruchsvoll und gut bezahlt. Nur wird in dieser eben nicht voll gearbeitet, es handelt sich also, wie erwähnt, um eine verkürzte Arbeitszeit. Gerade für alleinerziehende Mütter/Väter oder auch Studenten können solche Teilzeitarbeitsverträge daher besonders interessant sein, da immer noch genug Zeit für das Kind oder die Uni bleibt.

Projektvertrag: In der Kreativbranche sind Projektverträge relativ normal und auch mehr oder minder üblich. Das liegt vor allem daran, dass einige Projekte einfach mehr Arbeitskraft erfordern, die im Unternehmen selbst aber nicht unbedingt benötigt wird. Statt einer Festanstellung bekommt der Arbeitnehmer dann lediglich einen Projektvertrag, der ausschließlich für ein bestimmtes und im Vertrag festgelegtes Projekt gilt. Ist dieses Projekt ausgelaufen oder wird es unter gewissen Umständen vorzeitig abgebrochen, endet damit auch der Projektarbeitsvertrag. Im Idealfall besteht die Chance, von dem Unternehmen übernommen zu werden, doch oft wird der Mitarbeiter wirklich nur für dieses eine Projekt benötigt und dementsprechend auch ausschließlich für dieses eingestellt.

Befristeter Arbeitsvertrag: Bis zu acht Jahre kann ein Arbeitnehmer in einem befristeten Arbeitsverhältnis beschäftigt werden. Lustig ist das nicht, der Arbeitgeber kann zu jeder Zeit kündigen. Der befristete Arbeitsvertrag darf dabei höchstens für zwei Jahre abgeschlossen werden, kann aber anschließend dreimal verlängert werden, was dann zu den eben erwähnten acht Jahren führt. Danach muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer entweder eine Festanstellung anbieten oder ihn direkt entlassen. Eine Verlängerung in dieser befristeten Art und Weise ist nach den acht Jahren jedenfalls nicht mehr möglich. Keine Chance.

Unbefristeter Arbeitsvertrag: Der unbefristete Arbeitsvertrag ist der Klassiker und natürlich der Vertrag, der dem Arbeitnehmer am meisten zu bieten hat. Heutzutage wird es allerdings immer schwieriger, eine unbefristete Stelle zu bekommen, so viel sei gesagt. Das liegt, wie könnte es anders sein, auch an den umfangreichen Rechten des Arbeitnehmers, die bei dieser Art von Arbeitsvertrag gesetzlich verpflichtend sind. Nach der Probezeit (in der Regel sechs Monate) besteht dann unter anderem ein Kündigungsschutz, so dass der Arbeitgeber nicht ohne weiteres kündigen darf – Stichwort Sozialauswahl bei einer Kündigung. Einzige Ausnahme für den Kündigungsschutz sind Kleinbetriebe, die weniger als zehn Angestellte haben. Bei diesen ist der Kündigungsschutz weniger umfassend.

Praktikantenvertrag: Wie jetzt? Praktikanten bekommen Verträge und haben sogar Rechte? Na klar! Arbeitszeit und die Dauer werden dort geregelt und schriftlich festgehalten. Allgemein gibt es wenig Grundlagen oder Vorschriften für diese Art von Vertrag, es können also auch einige spezielle Klauseln oder Bedingungen vorhanden sein, je nach Länge des Praktikums. Meistens sind Praktikantenverträge aber eher schlicht gehalten, denn der Aufwand einer Ausarbeitung lohnt sich für ein Praktikum einfach nicht. Es geht eher darum, gewisse Regeln festzulegen, etwa eine Verschwiegenheitspflicht in Bezug auf Betriebsinterna.

Worauf sollten Arbeitnehmer unbedingt achten?

Arbeitsverträge enthalten die grundlegenden Punkte für das Beschäftigungsverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Was in einem solchen Vertrag enthalten ist und was nicht, hat demnach auch direkte Auswirkungen auf viele Rechte und persönliche, oft sehr individuelle Absprachen.

Vertragsdauer: Mit am wichtigsten ist sicherlich die vertraglich festgelegte Dauer des Arbeitsverhältnisses. Bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag ist diese entsprechend offen. Der unbefristete Arbeitsvertrag kann mit einer Kündigung des Arbeitnehmers oder Arbeitgebers beendet werden. In einigen Arbeitsverträgen ist eine automatische Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch das Erreichen des Renteneintrittsalters (65. Lebensjahr) des Arbeitnehmers vorgesehen. Geht es um einen befristeten Arbeitsvertrag, kann das Arbeitsverhältnis zwischen zwei Tagen und zwei Jahren betragen. Danach kann es, wie oben erwähnt, dreimal verlängert werden.

Beidseitige Leistungen: Natürlich werden in einem Arbeitsvertrag auch beidseitige Leistungen geregelt. Es wird etwa festgelegt, wie die Arbeitszeiten aussehen, wo der Tätigkeitsbereich des Arbeitnehmers ist und welche Anforderungen und Sonderaufgaben auf ihn zukommen. Derartiges sollte immer auch im Arbeitsvertrag festgelegt sein, da der Arbeitnehmer in der Regel für einen bestimmten Arbeits- bzw. Aufgabenbereich eingestellt wird und nicht einfach für alle Arbeiten, die anfallen. Auch die gehaltlichen Konditionen und eventuelle Vergütungen, Boni oder Sonderleistungen sind hier geregelt.

Probezeit: Auch wenn die meisten Arbeitgeber bereits ein Probearbeiten oder ein Praktikum im Unternehmen einfordern, noch bevor ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird, beinhaltet auch dieser noch eine Probezeit, die eigentlich genau für dieses erste Kennenlernen gedacht ist. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können in dieser Zeit ohne Angabe von Gründen das Beschäftigungsverhältnis kündigen. Soll heißen: In der Probezeit greift noch kein Kündigungsschutz. Die Probezeit beträgt durchschnittlich sechs Monate, kann aber auch verkürzt oder verlängert werden.

Gleitzeit: Heutzutage ist die Gleitzeit, also die freie Einteilung der Arbeitszeit, in vielen Branchen normal. Allerdings gelten auch für die Gleitzeit bestimmte Bedingungen, die wiederum im Arbeitsvertrag genauer geregelt werden. Kommen und gehen, wann immer man will, so etwas geht auch mit Gleitzeit nicht. Vielmehr geht es häufig nur um den Arbeitsbeginn und den Feierabend. In einem Rahmen von einigen Stunden wird Mitarbeitern durch die Gleitzeit gewährt, auch mal früher oder später anzufangen bzw. vorzeitig und nach eigenem Ermessen Feierabend zu machen. Da hier kein Missbrauch stattfinden soll, kann es für die Gleitzeit durchaus noch weitere Bedingungen und Kontrollen geben. Häufig wird eine Kernarbeitszeit festgelegt, in der alle Mitarbeiter anwesend sein müssen.

Urlaubstage: Effektiv arbeiten kann nur, wer auch hin und wieder eine entsprechende Auszeit bekommt. Im Arbeitsvertrag ist daher die Urlaubszeit genauestens geregelt und es gibt auch gesetzliche Vorschriften diesbezüglich. Diese sind im Bundesurlaubsgesetz beschrieben, gelten aber nicht für alle gleich, so dass Arbeitnehmer im Erziehungsurlaub beispielsweise einen Sonderfall darstellen. Grundsätzlich hat aber erst einmal jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf Urlaub. Gesetzlich stehen Arbeitnehmern in der Regel mindestens 24 Werktage Urlaub im Jahr zu. Wer im Urlaub krank wird, was bei Abfall des Stresses durchaus häufiger passiert, sollte sich übrigens sofort ein Attest vom Arzt besorgen, denn Krankheitstage zählen nicht als Urlaub. Wer im Urlaub also erkrankt und dies entsprechend nachweisen kann, vergeudet demnach auch keinen seiner Urlaubstage.

Überstunden: Per Gesetz dürfen Überstunden verlangt werden, solange diese in einem zumutbaren Rahmen bleiben. Das bedeutet auch, dass Überstunden nicht zum Dauerzustand werden dürfen. Per Gesetz ist geregelt, dass acht Stunden pro Tag in Ordnung sind. Der Arbeitnehmer darf aber bis zu 10 Stunden am Tag arbeiten (60 Stunden von Montag bis Samstag) – innerhalb von 24 Wochen muss aber eine durchschnittliche Arbeitszeit von 8 Stunden täglich (Berechnungsgrundlage ist die 6-Tage-Woche) eingehalten werden. Außerdem dürfen Überstunden nicht über Jahre verschleppt, sondern müssen korrekt abgebaut werden.

Gibt es wichtige Klauseln im Kleingedruckten?

Natürlich gibt es die. Wie in jedem Vertrag, versuchen auch Arbeitgeber immer wieder bestimmte Klauseln unterzubringen und zu verstecken, um sich Rechte oder Zusatzleistungen sichern zu können. So sollte das Aufgabenfeld präzise beschrieben werden, um hinterher nicht eine vollkommen andere Aufgabe zugeteilt zu bekommen. Auch mündlich vereinbarte Zusätze oder Lohnerhöhungen sollten immer schriftlich festgehalten werden. Wer einen Nebenjob anstrebt oder in die nebenberufliche Selbstständigkeit gehen möchte, muss außerdem gesondert darauf achten, dass im Arbeitsvertrag kein Verbot einer Nebenerwerbstätigkeit besteht. Gerade in der Kreativbranche oder in Projektverträgen gibt es außerdem ernstzunehmende Verschwiegenheitsklauseln. Wer dann einfach Betriebsgeheimnisse ausplaudert oder in einem sozialen Netzwerk wie Facebook Bilder von seiner Arbeit postet, bekommt schnell rechtliche Probleme und viel Ärger mit seinem Arbeitgeber.

Welche Fallstricke gibt es im Arbeitsvertrag?

Zu den im vorherigen Absatz bereits geschilderten Klauseln gesellen sich noch typische Fallstricke für unerfahrene Arbeitnehmer. Ein schönes Beispiel sind lange Kündigungsfristen. Sich mal eben einen neuen Job suchen, wird für Arbeitnehmer dann ein Ding der Unmöglichkeit. Auch unentgeltliche Überstunden können per Klausel im jeweiligen Arbeitsvertrag geregelt werden. Das bedeutet im Klartext: Der Arbeitnehmer kann zu jeder Zeit dazu aufgefordert werden, einfach etwas mehr zu arbeiten, bekommt dafür aber keine gesonderte Entlohnung. Allgemein ist es sehr schwierig, alle möglichen Fallstricke zu nennen, da diese mitunter auch individuell auf das jeweilige Beschäftigungsverhältnis angepasst sind.

Man sollte den Arbeitsvertrag daher immer genauestens durchlesen und nicht einfach nur überfliegen und unterschreiben. Bei unklaren Punkten sollte man den Mut haben, beim zukünftigen Arbeitgeber nachzufragen. Oder man kann sich ratsuchend an Freunde, Bekannte oder einen Anwalt wenden.

Augen auf beim Arbeitsvertrag

Wie immer bei Verträgen entscheiden oft einzelne Klauseln oder kleingedruckte Zeilen darüber, wie angenehm das Vertragsverhältnis am Ende wirklich ausfällt. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber sollten daher alle wichtigen Punkte miteinander besprechen und zweifelhafte Stellen oder umstrittene Formulierungen ruhig ein wenig anpassen. Am wichtigsten ist und bleibt aber, dass beide Seiten verstehen, worum es genau geht und was jeder einzelne Punkt im Arbeitsvertrag bedeutet.

Also Augen auf, bevor ihr den Vertrag einfach unterzeichnet.